5. Nikolaisaal Poczdam

5. Nikolaisaal Poczdam - Bild1 (1312 x 738)
»Artist in Residence« Amihai Grosz spielt Waltons Violakonzert
2027-01-16, 19:30 • Nikolaisaal Poczdam
  • Benjamin Britten: Soirées musicales op.9
  • William Walton: Violakonzert (revidierten Fassung von 1962)
  • Dymitr Szostakowicz: Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47
  • Amihai Grosz, altówka
  • Felix Mildenberger, dyrygent

In diesem Konzert präsentieren wir Ihnen ein weiteres Schlüsselwerk für die Bratsche. Mit »Artist in Residence« Amihai Grosz und GMD Felix Mildenberger führen wir im Kleist Forum William Waltons Violakonzert auf. Dieses Werk gab den entscheidenden Impuls zur Etablierung von Konzerten für Viola und Orchester und wurde zum Klassiker dieser Gattung. Walton hatte es für den Bratscher Lionel Tertis geschrieben, der einer der Ersten war, der die Bratsche als Soloinstrument einführte. Das 1928/29 entstandene Violakonzert katapultierte den damals 27-Jährigen Walton in die erste Reihe der Komponisten seiner Zeit. In seinem überwiegend melancholisch geprägten Bratschenkonzert setzt er die Viola effektvoll, feinfühlig und mit melodiöser Tonsprache in Szene. Lyrisch-elegische Passagen, poetische Stimmungen und rhythmische Figuren, die an jazzige Einflüsse erinnern, lassen die Bratsche hier in allen Facetten leuchten. Walton hat ihr mit diesem Konzert ganz neue Welten eröffnet.

Auch Benjamin Britten und Dmitri Schostakowitsch haben mit den hier gespielten Werken Grenzen verschoben. Schostakowitsch verstärkte in seiner sehr kraftvollen, klassisch anmutenden 5. Sinfonie bitteren Humor und leise Trauer. »Was in der Fünften vorgeht«, sagte er, »soll meiner Meinung nach jedem klar sein. Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen.« Er schrieb diese Sinfonie 1937 während der großen, stalinistischen »Säuberungen«, als er um sein und das Leben seiner Familie fürchtete.

Etwa zur gleichen Zeit waren Brittens »Soirées musicales« entstanden. Die Musik Gioachino Rossinis hatte ihn zu diesem zeitlosen, beschwingten, sehr temperamentvollen Kleinod inspiriert. Gut 20 Jahre später sollte sich zwischen Britten und Schostakowitsch ein enge, den Eisernen Vorhang überwindende Freundschaft entwickeln. »Keeping the cultural door open«, hatte Britten einmal gesagt. Mit Kultur und Musik Türen offenhalten, auch das ist hier Programm.